Stottern

Stottern heißt: Etwas sagen wollen und es nicht fließend aussprechen können

Stottern ist eine Unterbrechung des Redeflusses durch auffällige Blockaden, Wiederholungen oder Dehnungen. In diesem Moment weiß der Stotternde genau, was er sagen möchte, er kann es jedoch nicht störungsfrei herausbringen.

Stottern kann zwar je nach Gefühlslage und Verfassung des betroffenen Menschen schwanken, dennoch ist Stottern eine körperliche bedingte Sprechbehinderung – keine psychische Störung.

Ursachen

Leider sind die Ursachen von Stottern bisher noch nicht ausreichend erforscht. Erklärungen von Laien, wie z. B. die Kinder denken schneller als sie sprechen, sie haben einen stotternden Menschen nachgeahmt, sie sind besonders nervös, sie wollen Aufmerksamkeit erzielen oder sie haben einfach eine träge Zunge, treffen jedoch nicht zu.

Die meisten stotternden Menschen haben vermutlich eine Veranlagung zum Stottern, dazu kommen dann auslösende und aufrechterhaltende Faktoren. Stottern entsteht in einer Zeit, in der sich das Kind körperlich, geistig, emotional und sprachlich am schnellsten entwickelt. Viele Einflüsse aus dem körperlichen, dem psychischen, dem sprachlichen und dem sozialen Bereich können bei der Entstehung eine Rolle spielen.

In der weiteren Entwicklung des Stotterns wächst die Anstrengung beim Sprechen und das Kind versucht, Stottern zu vermeiden. Es können negative Gefühle und Einstellungen gegenüber dem Sprechen entstehen. Teufelskreise aus Angst und Vermeidung sowie aus Anstrengung und Frustration erhalten dann das Stottern aufrecht oder verstärken es noch. Das Stottern automatisiert sich zunehmend und kann umso schwerer wieder verändert werden, je länger es andauert.

Erscheinungsformen

Man unterscheidet Primäres Stottern (die eigentliche Sprechunflüssigkeit) und die sekundäre Symptomatik.

Die Sprechunflüssigkeit kann dann tonisch sein (es entsteht der Block an einem Laut) und das Sprechen ist unterbrochen, oder klonisch häufiges Wiederholen ders selben Lautes, der Silb oder eines Wortes.

Häufig entwickeln Stotternde so genannte sekundäre Symptome, wie auffällige Verkrampfungen der Gesichtsmuskulatur oder zusätzliche Körperbewegungen, beim Sprechen. Andere Betroffene reagieren auf das eigene Stottern mit einem Vermeidungsverhalten oder der Taktik des Verschleierns. Beim Erstgenannten wird das Sprechen an sich weitgehend gemieden, was bis zu einem totalen gesellschaftlichen Rückzug führen kann. Beim Verschleiern werden zum Beispiel Füllwörter genutzt, um das Stottern zu umgehen. Oftmals werden während des Sprechens auch blitzschnell „schwierige“ Wörter gegen andere Begriffe getauscht, damit der Gesprächspartner das Stottern nicht bemerkt.

Therapie

Logopädische Behandlung

In der wissenschaftlichen Literatur finden sich unzählige Methoden über die Therapie des Stotterns bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Das “Allheilmittel” wurde bis zum heutigen Tag leider noch nicht gefunden, wenn auch in den Medien gerne von spektakulären neuen Heilmethoden berichtet wird. Es existieren jedoch erfahrungsgemäß durchaus wirksame Methoden, um das Stottern positiv zu beeinflussen.

Die grundsätzliche Vorgehensweise in unserer Praxis sieht folgendermaßen aus:

Nach eingehender Diagnostik wird versucht, mögliche Faktoren, die das Stottern aufrechterhalten und verstärken können (z.B. falsches Verhalten von Bezugspersonen bei auftretendem Stottern) durch eingehende Elternberatung oder Verhaltenstraining abzubauen und flüssigkeitsförderndes Verhalten zu vermitteln. Es wird, abhängig von Alter und Stottersymptomatik (z. B. Ausprägung des Störungsbewusstseins), auch direkt mit dem Kind gearbeitet. Dabei geht es bspw. um Förderung des kommunikativen Selbstbewusstseins, Kennenlernen des eigenen Stotterns und um die Veränderung des Stotterns in Richtung “flüssiges Stottern” und somit um den Abbau der Symptomatik insgesamt.

Bei jugendlichen und erwachsenen Stotternden wird noch direkter auf das Stottern Bezug genommen. Meist über viele Jahre aufgebaute Verhaltensweisen (Vermeideverhalten, körperliche Reaktionen während des Stotterns etc.) sollen erkannt, verändert und abgebaut werden. Dabei werden u.a. verhaltenstherapeutische Methoden (Systematische Desensibilisierung, Entspannungstraining, Verfahren zur direkten Beeinflussung des Stotterns, z.B. weniger antrengende Sprechweise) unter Einbeziehung der Umwelt (bei jugendlichen und erwachsenen Stotterern Kindergarten, Schule, andere Alltagssituationen) angewandt.

Die logopädische Behandlung erfolgt in der Regel nach ärztlicher Verordnung (privat und alle Kassen).

Wenn Sie Fragen zum Thema Stottern haben, von Ihren Erfahrungen berichten möchten oder Beratung wünschen, schreiben Sie uns oder rufen Sie einfach an. Wir helfen Ihnen gerne weiter.

Linkhinweis: Bundesverband der Stotterer Selbsthilfe (bvss)

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